Hiddensee
Hiddensee liegt westlich vor Rügen. Hiddensee ist klein – nur 16,8 Kilometer lang und an der schmalsten Stelle 250 Meter breit. Das Hiddenseer Wappen zeigt auf der linken Seite ein Seepferdchen. Wenn man genau hinschaut, erinnert der Umriss der Insel tatsächlich an das sympathische Wappentier.
Hiddensee beherbergt nur 1.100 Einwohner, auf der Insel fahren keine Autos – nur Pferdefuhrwerke. Dennoch hat es die Herzen berühmter Künstler erobert und begeistert jährlich auf das Neue, Tausende Touristen.
Geschichte der Insel
Die erste Besiedelung Hiddensees erfolgte in der mittleren und jüngeren Steinzeit.
Im 6. Jahrhundert, nachdem die germanische Bevölkerung den südlichen Ostseeraum verlassen hatte, wurden Rügen und Hiddensee durch die slawischstämmigen Ranen bevölkert.
Wenngleich Hiddensee bereits früher vereinzelt besiedelt war, beginnt die eigentliche Besiedelung der Insel mit dem Bau eines Klosters. Der Rügenfürst Wizlaw II. beschenkte, den ehemals in Neuenkamp bei Barth ansässigen Zisterzienserorden mit der Insel Hiddensee. Im Jahre 1296 bauten die Zisterzienser das Hiddenseer Kloster im Norden der Insel. Inmitten dichtem, hohem Dorngestrüpp, wonach die Schiffer in jener Zeit, die ganze Insel Dornbusch nannten. Ein Name der sich für einen bekannten Teil der Insel gehalten hat. Hier steht der berühmte Leuchtturm, den jeder Hobby-Meteorologe oder Wetterfan aus dem Fernsehen kennt.
Der südliche Teil der Insel hieß im 13. Jahrhundert Iellant oder Gellen, ein slawisches Wort, das der Hirsch bedeutet. In diesem Wald stand schon vor der „Besiedelung“ 1296 die Kapelle des heiligen Nikolaus - Schutzpatron der Fischer und Schiffer. Die Kapelle wurde von Einsiedlern bewohnt, die besonders den Schiffbrüchigen zur Hilfe kamen (Schiffsunfälle waren hier bei der Enge und Flachheit des Wassers nicht selten). Als 1306 die Kapelle verlassen wurde, bauten die Stralsunder an ihrer Stelle eine sogenannte „Luchte“, der Leuchtturm wurde durch einen Mönch mit Holz und Teer betrieben.
Der Name des Gellen wurde auf das dortige Gewässer übertragen und ist noch heute in Gebrauch für die Meerenge von Hiddensee bis zum Greifswalder Bodden. Die südliche Landzunge heißt ebenfalls Gellen und steht heute unter Naturschutz. Der Gellen beherbergt ein bedeutendes Vogelschutzgebiet, welches zur Schutzzone I. des Nationalparks Vorpommernsche Boddenlandschaft gehört.
Das Hiddenseer Kloster löste man 1535 auf. Der Dornbusch wurde unter herzogliche Verwaltung gestellt. Während des 30-jährigen Krieges erfolgte die Anordnung Wallensteins (1628) den Eichenmischwald auf dem Dornbusch abzubrennen, um den Dänen die Möglichkeit der Holzgewinnung zu entziehen.
Von 1648 bis 1815 befand sich Vorpommern wie auch Hiddensee unter schwedischer Verwaltung. Ab 1815 gehörte Hiddensee bis zum Ende des zweiten Weltkrieges zu Preussen.
In den Jahren 1864 und 1872 wurde Hiddensee von schweren Sturmfluten heimgesucht. Bei der ersten schweren Flut wurde der Mittelteil der Insel vollständig überschwemmt. Hiddensee „zerbrach in zwei Teile“ und konnte nur durch umfangreiche Aufbaumaßnahmen wieder zusammengefügt werden. Bei der zweiten Flut wurde der berühmte Hiddenseer Goldschmuck gefunden. Dabei handelt es sich um eine Wikingerarbeit aus dem 10. Jahrhundert. Das Original kann man in Stralsund bestaunen, eine Replik liegt im Heimatmuseum Hiddensee.
Bereits die Anreise ist ein Erlebnis!
Fähren starten ab Wiek auf Rügen, Breege auf Rügen und Schaprode. Wer vor allem die Insel besichtigen und keine lange Schiffsreise unternehmen will (beides hat definitiv seine Reize), ist in Schaprode am besten aufgehoben, es ist die kürzeste Distanz. In allem Orten befinden sich große Parkplätze, auf denen man das Auto zurücklassen muss.
Jetzt stellt sich die Frage Wassertaxi oder Fähre? Das Wassertaxi ist schneller und teurer. Es gibt keine festen Fahrzeiten, man wartet bis eines kommt und steigt dann zu. Die Fähre richtet sich nach festen Fahrplänen. Wassertaxi kostet 9,50 € pro Person (5 € für einen Hund) und pro Fahrt. Die Fähre kostet 16 € pro Person Hin- und zurück. Fahrräder können mitgenommen oder auf Hiddensee geliehen werden.
Wie gesagt die Anreise ist ein Erlebnis – vor allem im Wassertaxi. Das Boddengewässer welches Hiddensee von Rügen trennt ist flach, so flach, dass man wahrscheinlich fast zu Fuß durch das Wasser waten könnte. Die kleine Fahrrinne für die Schiffe gleicht einer Autobahn und die Wassertaxis bemühen sich diesen Eindruck zu verstärken.
Häfen gibt es in den Orten Neuendorf, Vitte und Kloster. Kloster ist der größte Ort und das kulturelle Zentrum. Da die letzen Wassertaxis und Fähren die Insel selbst in der Hauptsaison um 17.00 Uhr verlassen, ist es ein guter Tipp nach Neuendorf zu fahren und dann mit dem Rad oder zu Fuß über Vitte nach Kloster zu fahren/gehen.
Neuendorf „das stillste Dorf“ liegt ganz im Süden und steht komplett unter Denkmalschutz. Die Einwohner werden als „Die Süder“ bezeichnet. Der ursprüngliche Charakter hat sich im Laufe der Jahre kaum geändert. Noch immer wird der Ort durch weißgetünchte Reetdach-häuser geprägt. Obwohl die Orte Vitte und Neuendorf nur 6 Kilometer voneinander entfernt liegen, sprechen die Einwohner unterschiedliche Dialekte. In Neuendorf kann man Einsam-keit, weitläufige Sandstrände und die großartige Natur genießen. Südlich von Neuendorf liegt der Gellen, der unter Naturschutz steht.
Vitte (sprich Fitte) liegt direkt in der Mitte der Insel. 1513 erstmals urkundlich mit 24 Katen erwähnt, ist Vitte heute der Größte Ort der Insel. Hier befinden sich die Gemeindeverwaltung und das Rathhaus. Der Name geht auf „vit“, was Fischverkaufsstellen bedeutet, zurück.
In Vitte landet die Lastenfähre zur Inselversorgung an. Hier werden die Güter verteilt – mit Elektroschleppern, Fahrrädern oder Pferdefuhrwerken. In Richtung Neuendorf erstreckt sich das Süderende mit reetgedeckten Häusern und grünen Gärten, in Richtung Kloster das Norderende mit den typischen Fischerkaten.
Kloster der Name geht zurück auf das bereits erwähnte Zisterzienserkloster, welches die Insel vom 13. Jh. bis in das 16. Jh. beherrschte. Etwa zwölf Mönche neben einigen Laienbrüdern sollen jeweils auf Hiddensee gelebt haben. Der Orden spielte eine gewichtige Rolle bei der Entwicklung des Ackerbaus. Nach der Reformation wurde das Kloster aufgegeben und es verfiel mit der Zeit. Im 30-jährigen Krieg wurde es vollends zerstört.
Heute gilt Kloster als das kulturelle Zentrum der Insel. Zahlreiche Künstler haben Hiddensee besucht, die bekanntesten sind Gerhart Hauptmann und Gret Palucca (die auch auf Hiddensee begraben sind), Asta Nielsen, Henni Lehmann u. a.
Unweit des Ortes Kloster, steht im sogenannten Hochland von Hiddensee, der Leuchtturm Dornbusch – das heutige Wahrzeichen der Insel. Er kann seit 1994 über 102 Stufen bestiegen werden. Die Aussicht ist ein Erlebnis!